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Boxer´s Geschichte oder Rattenhaltung aus Rattensicht

Hi,

ich bin Boxer, ein Rattenbock, der bisher lange Zeit auf der Straße bei einem Obdachlosen lebte.
Da Ratten aber draußen nix verloren haben, kam ich ins Tierheim. Hier gibt es leider viel zu oft Ratten, die abgegeben/gefunden/ausgesetzt wurden.

Die anderen Ratten haben mir erzählt, dass sie oft ganz lange hier warten müssen, bis sie ein neues und liebes Zuhause finden. Sie sind sicher, dass der Grund dafür ist, dass viele Leute in die Zoohandlung gehen und sich da neue Ratten kaufen. Sie verstehen das nicht, ich auch nicht.
Aber ich habe Glück, heute früh erzählte mir die nette Pflegerin, dass ich heute in ein neues Heim umziehe, wo ich Gesellschaft kriegen soll. Ich bin schon mächtig aufgeregt. Ich bin dann nicht mehr alleine, denn alleine ist es doof und langweilig. Und ob da das Futter besser ist?
Hier im Tierheim krieg ich Kaninchenfutter, weil die nix Anderes da haben…
Moment, da kommt wer, ich melde mich gleich wieder…

---- später ---

Da bin ich wieder. Ich bin nu umgezogen.
Hier ist es wie im Paradies… Ob ich tot bin?

Der Käfig ist total riesig, wir Ratten brauchen ja einen großen Käfig – mind. 80cm hoch und breit, damit wir viel Platz zum spielen, laufen und toben haben. Da sind auch so schöne Sachen drin zum Spielen und Kuscheln. Da wird mir fast nie langweilig. Und wenn doch, beobachte ich die anderen im Zimmer ;-) Und das Futter… Die neue Mama sagte, das wäre richtig gutes Rattenfutter, speziell für uns gemacht. Ich glaube, was meine neue Mami nimmt, heißt Rattima. Das könnte man so nicht kaufen, das bringt wohl immer der Mann, der morgens klingelt und irgendwelches Zeug abliefert… Post oder so was… Da sind auch manchmal Kartons dabei, die ich dann zernagen darf *freu*

Aber hier gibt es sogar Frischfutter… Ich bekam zum Empfang ein Buffet aus Bananen-, Melonen- und Apfelstückchen… Herrlich. Frischfutter mag ich voll gern zwischendrin.

Meine neue Mama will mich heute mal direkt zum Arzt schleppen. Sie sagt, ich mache Geräusche beim Atmen. Eigentlich fiel mir das schon gar nicht mehr auf. Das leichte Kratzen, daran hatte ich mich schon gewöhnt.

Sie sagt aber, sie kennt einen guten TA, der ihr in einem Forum empfohlen wurde, und der macht mich wieder gesund. Sie erzählte, sie hätte wohl schon einige TAs durch, die keine Erfahrung mit uns, den Ratten, haben, und dass so ein TA sehr schwer zu finden ist. Wie gut, dass sie sich in Foren immer austauscht mit den Leuten.

Die anderen Artgenossen, die hier im Zimmer gegenüberstehen, meinten, der TA wäre ein Wunderheiler, weil er sie immer wieder gesund macht. Und er gibt nach jeder Behandlung Leckerchen… Aber ich weiß noch nicht, was Leckerchen sind. Die gibt es von der Mama aber wohl als Betthupferl abends. Das werde ich dann also heute Abend probieren ;-)

Ich bin so aufgeregt, weil ich Gesellschaft kriegen soll. Wir Ratten stehen ja total auf Gruppenkuscheln. Nur im Rudel kuschelt es sich gut. So ein Mensch ist ja ganz nett, aber mal ehrlich… Der versteht mich null, der beherrscht die Fellpflege nicht wie ein Artgenosse, der hat keinen Sinn für unsere Art zu spielen, zu toben bzw. kurz gefasst: Der ist einfach keine Ratte. Auch wenn manche wohl meinen, sie könnten uns einen Artgenossen vorgaukeln. Manche Menschen, die meinen, wir wären einzeln glücklich, sollten sich mal vorstellen, wie sie sich mit einem Gorilla auf einer einsamen Insel fühlen würden :-D

Zwei/Drei Ratten machen auch nicht mehr Arbeit, als eine – auch wenn mancher Mensch das glauben mag. Und Einzeln werden wir auch nicht zahmer. Im Gegenteil, wir können gar nicht Ratte sein, weil wir keine Freunde haben, die uns zeigen, wie wir im großen Rudel leben. Und wenn wir nicht verkümmern und aus Trauer und Frust beißen oder uns zurückziehen, bleibt uns ja nix Anderes übrig, als uns mit unserem Menschen abzugeben.

Und dann gibt es da noch was, Auslauf nennt meine Mama das. Da ist gaaaaaaaaaaaaaaanz viel Platz zum toben, spielen und rennen.

Ich durfte mir den heute schon mal anschauen; ich sag euch, der ist wirklich riesig.
Ich habe noch nie soviel Platz zum Rennen gehabt.

Meine neue Mama hat auch alles was für mich gefährlich sein kann oder giftig ist, entfernt. Ich persönlich mag Kabel ja ganz gerne, aber sie hat schon Recht, das könnte böse für mich enden. Und schade, Pflanzen zum Ausbuddeln sind auch keine da, aber wer weiß, es gibt auch viele Pflanzen, die sind giftig für uns. Ich denke, meine Mama hat Recht, dass sie die weggeräumt hat.
Aber dafür gibt es im Auslauf haufenweise Spielsachen, Röhren, Raschelkartons, und ganz viel, zum Blödsinn machen. Das macht dann später mit meinen neuen Freunden noch mehr Spaß.

Ich hab auch erfahren, dass meine Mama sich schon voll gut darüber informiert hat, wie sie es schafft, aus mir und den Anderen ein neues Rudel zu machen. Denn, ihr müsst wissen, wir sind allem Neuen gegenüber etwas skeptisch und verteidigen erst mal unser Zuhause gegen jeden Fremden, wenn es sein muss auch mit den Zähnen. Aber wenn man uns Zeit lässt, und uns vorsichtig bekannt macht, dann sind wir gerne bereit, neue Freunde zu finden. Mein Frauchen hat da auch einen speziellen Begriff für, sie nennt das Ganze dann Integration.

Ich krieg ja (natürlich nur Männer, weil ich nicht kastriert bin; wir wollen ja keine Familie gründen, Babys sind viel zu anstrengend und nervig *g*) Freunde, vier Stück an der Zahl.

Sie hat im Forum gelesen, dass man erstmal Käfigtausch und so was machen soll… Damit ich mich an den Mief der anderen Jungs gewöhnen kann – die riechen voll bäh. Aber ich hab mich langsam dran gewöhnt. Sie haben von gegenüber gerufen, dass ich rieche wie ein Weichei. Das war gemein… Denen werde ich es zeigen.

Tja, das war es soweit erstmal von mir…

Man liest sich, Euer Boxer
 

Der Boxer in der Geschichte ist "echt" bzw. den gab es wirklich.
Ich fand die Geschichte sehr berührend,

darum darf ich sie mit Genehmigung von Mütze
( Copyright by Mütze/Ratscorner.de)
hier veröffentlichen.
Danke an Mütze

Wenn ihr mehr erfahren wollt über artgerechte Haltung
könnt ihr euch gerne HIER informieren.

 

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